Gestern, am Donnerstag, ist nichts erwähnenswertes passiert aber heute am Freitag trifft mich die Planung des Chefs so hart, dass nichts mehr sitzt – auch die Frisur nicht.

Denn: obwohl oder gerade weil ich nicht dafür angestellt wurde gefällt mir die morgendliche Planung des Chefs nicht, denn ich soll mich in die Kunst der Beratungsgespräche Einarbeiten.

Das dürfte so ziemlich das letzte sein für das ich Talent mitbringe, aber versuchen kann ich’s ja mal.

 

Vorher geht’s allerdings zusammen mit Hans zum Friedhof um ein Grab für den Nachmittag vorzubereiten. Da es ein extra tiefes, nagelneues, Grab auf einer Grünfläche wird brauchen wir den ganzen Vormittag bis endlich alle Löcher gebuddelt sind, alles mit Kunstrasen bedeckt und hübsch hergerichtet ist.

 

Nach meiner Pause, während der ich in Anbetracht meiner bloßen Anwesenheit bei einem solchen Gespräch keinen Bissen runter bekomme erklärt mir Frau Kiesling die Vorgehensweise.

Zunächst soll ich nur mal dabei sein und das ist mir gerade ganz Recht.

Zwanzig Minuten später trifft dann auch endlich der einzige Hinterbliebene von Frau Huber ein – beim Anblick von Herrn Hubers nagelneuem Mercedes AMG kann ich die Dollarzeichen in Frau Kieslings Augen förmlich sehen, als er das Gebäude betreten hatte wich dieses Funkeln aber auf magische Weise einem seriösen, beileidsbekundenden Gesichtsausdruck.

Was Frau Kiesling bis dahin nicht wusste ist, dass Herr Huber zwar rechtlich gesehen noch mit seiner Frau verheiratet war, die beiden aber seit über einem Jahr getrennt lebten und er entsprechend “not amused” war als ihm mitgeteilt wurde dass er die Kosten der Beisetzung tragen muss.

Nachdem er uns das gesagt hatte legt Frau Kiesling unbeirrt mit Ihrem Beratungsgespräch los, Herr Huber hört sich das Ganze an und ohne mit der Wimper zu Zucken nickt er die Fragen nach dem vorhanden sein der nötigen Dokumente gelassen ab.

Als es um die gewünschte Bestattungsform geht bricht er sein Schweigen und fällt Frau Kiesling ins Wort:

 

Das Miststück hat mit meinem Zahnarzt gevögelt. Wissen Sie eigentlich wie schwer ein guter Zahnarzt zu finden ist?

 

Im Raum ist es Totenstill – Frau Kiesling ist schockiert, sprachlos, erschüttert und ich, tja ich versuche krampfhaft einen drohenden Lachanfall zu verhindern.

Herr Huber fährt fort:

 

Wenn die jetzt glaubt sie kriegt eine anständige Beerdigung hat sie sich geschnitten.

Ich will das billigste das sie haben, laut Google ist das eine anonyme Urnenbeisetzung, richtig?

 

Da Frau Kiesling immernoch den Gesichtsausdruck eines Erdmännchens hat das nach Fressfeinden ausschau hält nicke ich dem guten Mann zu “Ja, das ist korrekt.”

 

Und was kostet der Spaß?

 

Ich weiss es nicht also blicke ich meine Kollegin fragend an. Als die einige Sekunden später aus ihrer Schockstarre erwacht bittet sie um einen Moment Zeit und fängt an zu Rechnen.

Nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit wie wild auf ihren Taschenrechner eingehackt hatte sagt sie: “1025 EUR, dann ist alles dabei”. Herr Huber nickt, greift in die Innentasche seiner Jacke und zählt 1050 Euro auf den Tisch.

Immerhin billiger als die letzte Zahnkrone.

Dann bräuchte ich noch ne Quittung, der Rest ist für Sie. Die Dokumente bringe ich Ihnen morgen vorbei.

Sonst muss ich nichts weiter tun?

 

Nein, erstaunlicherweise muss er das nicht. Er hat für so einen Schmarrn auch garkeine Zeit, meint er.

 

Anschließend verabschiedet Frau Kiesling mich wortkarg in den Feierabend, als ich in meinem Wagen sitze um mich kurz zu sammeln überkommt mich ein dämliches Grinsen das mich die gesamte Heimfahrt begleiten wird – ich weiss auch nicht warum.