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CSI – unter der Dusche

Nach meinem frühzeitigen Feierabend heute kam ich nach Hause, habe geduscht, gegessen, bin etwas durchs Netz gesurft und habe den Tag bei 3-4 Halben Revue passieren lassen.

Gegen 2 Uhr morgens reißt mich dann plötzlich der schrille Ton des Telefons aus den Federn, im Halbschlaf gehe ich ran und höre die ernste Stimme von Herrn Grabowoski. Der Chef klingt als hätte er gut getankt und im Hintergrund glaube ich Gelächter zu Hören.

Er faselt etwas von einer toten Frau, die man laut Polizei noch heute Abholen muss. Um was es genau geht sagt er mir nicht.  Er nennt mir nur die Adresse und wir vereinbaren uns dort in 30 Minuten zu treffen.

 

Halb tot krabble ich aus dem Bett, hole den schwarzen Anzug aus dem Schrank und schleife mich auf der Suche nach den Autoschlüsseln durch die halbe Wohnung. Als ich die Schlüssel endlich finde sind schon 10 Minuten vergangen, ich fahre eilig los und überlege mir während der Fahrt wie ich meine Fahne dezent kaschieren könnte – denn immerhin sind da Cops und ich bins gewohnt von der Bayrischen Polizei wie Abschaum behandelt zu werden.

 

Als ich endlich nach 35 Minuten dort bin wartet der Chef schon im Leichenwagen, Hans ist auch da und langsam frage ich mich wie fett adipös die Verstorbene wohl sein mag.

Aus dem einzeln gelegenen Haus kommen uns auch direkt 2 Beamte der Kriminalpolizei entgegen, sie tragen Atemschutzmasken und erklären uns die Situation.

Weil Freunde die Frau seit ein paar Tagen nicht erreichen konnten und ein Nachbar beim Versuch sie zu finden Leichengeruch wahrgenommen hat wurde die Feuerwehr gerufen. Die haben sie dann unter der Dusche gefunden, da liegt sie wohl schon ein paar Tage.

Das Wasser haben wir abgestellt, den Rest überlassen wir euch. Aber wär ganz nett wenn ihr die auf die andere Seite drehen könntet, wir brauchen noch Bilder falls da ein Messer drin steckt oder so.

 

Das habe ich mir jetzt irgendwie anders vorgestellt. Agent Gibbs und Ducky würden erst mal versuchen den Zeitpunkt des Todes zu bestimmen während Abby wild fuchtelnd die Beweise der Spurensicherung analysiert.

Herr Müller von der Kripo sieht das eher pragmatisch – er glaub nicht dass ein Gerichtsmediziner “das da” ohne stichhaltige Indizien freiwillig untersuchen wird.

 

Neugierig gehen wir zum Eingang wo uns bereits ein beißender Geruch entgegen strömt der seines gleichen sucht.

Im ersten Stock im Badezimmer sehen wir den Leichnam, zusammen gesackt auf dem Boden der Dusche. Dass es sich um eine Frau handelt ist nicht mehr zu erkennen, der Körper ist tief schwarz verfärbt und stark aufgequollen, das Gesicht ist nicht mehr zu erkennen und bei dem Gestank kämpft sogar hardcore Hans gegen den Würgereiz.

Den Chef scheint das in seinem Rausch nicht weiter zu stören “sucht mal ein paar Bretter oder Schaufeln oder irgendwas um die am Stück in den Leichensack zu packen.”

Wir durchstöbern das Haus, in der Garage finde ich eine verrostete Schaufel und Hans zertrümmert einen Tisch weil er denkt dass sich die Tischplatte ganz gut eignet. Kurz vorm Erbrechen bugsieren wir die Tote auf die Tischplatte, dann macht der Mann von der Polizei, bewaffnet mit einer Atemschutzmaske und etwas das vor 10 Jahren wohl mal als Kamera verkauft wurde die letzten Bilder.

In Gedanken bin ich wieder beim NCIS… haben die nicht immer die neueste DSLR? Arme Kripo…

Danach lassen wir die Verstorbene von der Tischplatte dezent in den Leichensack gleiten und reißen ihr dabei versehentlich den Arm ab, das passiert wohl bei Wasserleichen ab und an. Der Geruch des aus der Wunde austretenden Sekrets ist unerträglich und wir schließen den Sack so schnell wir können.

 

Als der Sack im Wagen liegt murmelt Herr Müller noch etwas von “ach so ja die Leiche is natürlich beschlagnahmt, is klar oder?”

 

Für mich ist an dieser Stelle wieder Feierabend, Hans und der Chef bringen den Sack noch in die Leichenhalle des örtlichen Friedhofs und wir verabschieden uns. Wieder Zuhause angekommen habe ich nur noch einen Gedanken: ich muss jetzt dringend Duschen.

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  1. Josef

    Seht treffend geschildert, von diesen Fällen hatte ich auch einige!

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