Es ist Montag morgen, März, die Sonne strahlt als ich im Institut ins Büro laufe. Aber irgendetwas ist anders. Nach der obligatorischen Begrüßung sehen mich alle plötzlich ganz ernst an.

 

Wie sich herausgestellt hat Tratschen auch Bestatter, also nicht mit mir, aber mit Frau Kiesling und dem Chef hat Hans wohl über unseren kleinen Mundraub bei Herrn Wolf geredet.

 

Der Chef spricht mich ernst darauf an und gerade als ich mich innerlich nach einem neuen Job umsehe kommt Frau Weiherhofer mit einem fetten Grinsens ins Büro

Unter den Umständen können wir ja endlich wieder im Büro Trinken, oder Chef?

Der Chef nickt und prompt holt sie 5 Shotgläser und eine Flasche eisgekühlten Himbeergeist aus der Küche.

 

Ich staune nicht schlecht als sie die Gläser füllt, denn es ist kurz nach 8 Uhr morgens und mir ist vom Komasaufen gemäßigten Alkoholgenuss am Samstag Abend noch übel.

Wir stoßen 3 mal an bis der Chef schließlich die täglichen Aufgaben verteilt.

 

Ich soll erstmal in ein 70 km entferntes Krankenhaus fahren und den Leichnam von Herrn Alexander abholen. Laut Chef brauche ich da keine Hilfe, denn:

Sie wissen ja jetzt wie das geht und so schwer ist der glaube ich nicht. Essen sie aber vielleicht ein Kaugummi bevor sie die Unbedenklichkeitsbescheinigung bei den Bullen abholen.

Toller Rat – schönen Dank auch Chef.

 

Ich lade also eine Trage ein und zittere mit dem alten Volvo los. Irgendwie bin ich heute gut drauf und als ich nach ein paar Kilometern feststelle dass einige andere Verkehrsteilnehmer den Leichenwagen offenbar ungerne überholen lasse ich die Kiste schön mit 80 über die Landstraße rollen – ich bin ein Schwein.

Am Krankenhaus angekommen erwartet mich die Verantwortliche bereits und drückt mir den Schlüssel für den Kühlraum in die Hand. Sie hat jetzt Pause, meint sie.

 

Ganz alleine ist es dort etwas gruslig, zum Glück gibt es nur ein belegtes Fach und so ist mein “Patient” leicht zu finden. Das beschriebene Leichtgewicht ist er aber nicht, da der Gute Mann 70 kg wiegt überlege ich mir erst einmal einen Plan wie ich ihn – am besten am Stück – von einer Trage auf die andere Hebe.

Ich zerre und ziehe und zerre und ziehe und irgendwie schaffe ich es tatsächlich den guten Mann auf meine Trage zu hiefen. Ich hoffe dort gab es keine Kamera, die Aktion sah sicher alles andere als professionell aus.

Vorschriftsmäßig schnalle ich ihn auf der Trage fest und stecke das Kissen das mit im Kühlfach war in den Plastiksack mit der Aufschrift Krankenhauswäsche. Mit einem kräftigen Ruck hiefe ich die Trage in den Wagen und gebe noch den Schlüssel zum Kühlraum wieder ab.

Danach suche ich die Adresse der nächsten Polizeistation. Da es weder richtigen GPS noch UMTS Empfang gibt frage ich mich bei 2 Straßenarbeitern und einer alten Frau durch und finde schließlich nach einer halben Stunde das Gebäude.

 

Als ich die Tür öffne bin ich glücklich über die obligatorische Panzerglasscheibe der Cops die gerade meine dezente Himbeergeist-Fahne verbirgt. Die junge Beamtin ist aber so angetan von mir und meinem schwarzen Anzug das sie mich direkt hinters Panzerglas bittet – für eine Sekunde stockt mir der Atem, denn früher kam ich nur ein bis zwei mal  in Begleitung zweier Beamter unfähig meine Arme zu bewegen hinter solche Scheiben.

Glücklicherweise ist die junge Dame nicht nur hübsch sondern auch extrem nett und stellt mir nur einige Fragen da sie so eine Bescheinigung wohl noch nie ausgefüllt hatte.  Ein paar Minuten später darf ich die Station mit Bescheinigung und angetan von den Körpermaßen… ähm… der  Kompetenz der Bearbeiterin verlassen.

 

Als ich wieder im Institut ankomme ist es bereits 14 Uhr und außer Frau Kiesling ist niemand da, meine Mittagspause ist theoretisch längst vorbei und so nehme ich den Vorschlag noch 3 Leute im Kühlraum einzusargen und danach Feierabend zu machen gerne an.