Dienstag Morgen, Regen, die Frisur hält.

Außerdem sitzt dem Chef und Hans seit heute Nacht der Schalk im Nacken. Die Witze über die Frau in der Dusche nehmen so gar kein Ende und ein paar Kurze vom guten Himbeergeist machen es auch nicht besser.

 

Zum Glück sitze ich wenig später mit Hans, dem der Schnaps weit weniger aus zu machen scheint als mir, im Leichenwagen. Wir sind auf dem Weg zu einer Urnenbestattung.

Es ist die Bestattung von Herrn Grober den Hans und der Chef Anfang letzter Woche spät abends im Auftrag der Polizei abgeholt hatten.

Herr Grober war erst 38 als er sich mit den Worten

Ich gehe nur mal kurz Zigaretten holen, bin gleich zurück.

 

von seiner kleinen Familie verabschiedet hatte. Kurz nachdem er die Schachtel L***** – natürlich ohne Zusätze, denn man ist ja gesundheitsbewusst – gezogen hatte fiel er laut Augenzeugen einfach um.
Er hat dann wohl noch ein paar mal heftig gezuckt und aus der Nase geblutet. Der gerufene Notarzt konnte aber nur noch den Tod feststellen.

Als ich über dieses Schicksal Nachsinne unterbricht mich Hans, der noch den Wagen um geparkt hatte, schroff:

 

Auf dem Friedhof ist Rauchen verboten!!

 

Ich schnippe meine Zigarette also dezent über die Friedhofsmauer und versuche die Situation mit einem “das Krematorium da drüben raucht doch auch” auf zu lockern. Hans findet das leider gar nicht lustig und verdonnert mich prompt dazu alleine das Urnengrab in den zähen Lehmboden zu Graben – vermutlich war das aber sowieso sein Plan.

 

Als ich nach geschlagenen 25 Minuten fertig bin schwitze ich wie ein Schwein und bin patschnass vom Regen. Danach fragt Hans mich allen ernstes ob ich noch eine rauchen gehen möchte, die Familie kommt erst in einer Stunde und er hat die Kirche schon vorbereitet. Da sage ich natürlich unbeeindruckt vom Schicksal Herrn Grobers nicht nein.

 

Drei Zigaretten später sehe ich den Pfarrer und die Angehörigen ankommen und versuche mir den Rauchgeruch vom Anzug zu streichen.

Herr Grober hat laut Aussage seiner Frau zwar nie eine Kirche besucht, war aber wohl noch Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinte und hat brav seine Kirchensteuern bezahlt. Und so tritt nach kurzer Rücksprache der Pfarrer vor seine Urne um vor seiner Frau und ihrer Schwester, seinem Vater und seinen beiden kleinen Kindern, den einzigen Gästen der Beisetzung, die übliche Standardrede zu halten.

 

Obwohl mir die Rede sehr bekannt vorkommt befällt mich eine gewisse Trauer wenn ich in die weinenden Augen der beiden 7 und 10 Jahre alten Kinder sehe. Ich glaube nicht dass die beiden schon wirklich begriffen haben was passiert ist.

Trotz der wenigen Trauergäste, der Standardrede und der fehlenden Überurne war die Beisetzung eine der Bewegendsten die ich is dahin erlebt habe.

 

Sei’s drum…

 

Den Rest des Tages verbringen wir wieder einmal mit der Reinigung und Wartung der Gerätschaften und natürlich jeder menge Witze über die Verweste und über Frau Tot, die sich längst als running Gag etabliert hat.